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VOICE Albert O. Hirschman Preis für Einmischung, Widerspruch und Erneuerung demokratischer Kultur

Der Preis

Der VOICE Albert O. Hirschman Preis für Einmischung, Widerspruch und Erneuerung demokratischer Kultur  wird erstmalig im Herbst 2024 von der Stiftung Kommunikationsaufbau im Gedenken an den Soziologen, Ökonomen und Aktivisten Albert O. Hirschman (1915 – 2012) vergeben.

Der Preis ist mit 15.000 Euro dotiert, 5.000 Euro davon sollen für Projekte zur Förderung der demokratischen Entwicklung verwendet werden.

Einsendeschluss ist der 21. Juni 2024.

Teilnahmebedingungen

Im Sinne eines Schlüsselwerkes des Namensgebers „Exit, Voice, and Loyalty“ und des erklärten Zwecks der Stiftung Kommunikationsaufbau sollen mit dem Preis Einzelpersonen, Gruppen oder Projekte ausgezeichnet werden, welche die Teilhabe benachteiligter Gruppen unterstützen, der Politikverdrossenheit begegnen oder dem Populismus entgegentreten. Wir wünschen uns den Preis als möglichst inklusives Ereignis, das ein Zeichen gegen Diskriminierung und Ausgrenzung, für Teilhabe und Dialog setzt. Wir hoffen auf Bewerbungen und Vorschläge für Preisträger*innen durch und aus allen Teilen der Gesellschaft. 

„Wir suchen Menschen, die sich entschlossen haben, ihre Stimme zu erheben – sei es durch Worte, Bilder oder Gesten; Menschen, die bereit sind, sich einzumischen in Dinge, die uns alle angehen; Menschen, die durch ihre Intervention helfen, die demokratische Kultur zu erneuern.“ Alexander Karschnia, Ideengeber des Preises und Kuratoriumsmitglied der Stiftung.

Prämiert wird ein öffentlichkeitswirksamer Beitrag aus dem Jahr 2023 zur Förderung und Ausweitung von Dialog und Teilhabe, der dazu beiträgt, die Tendenz zur Abwendung von der Demokratie in dieser Gesellschaft zu bekämpfen. Dies kann durch einen Artikel, eine Publikation, eine öffentliche Veranstaltung, einen Podcast oder eine Kampagne geschehen. Eine mediale Resonanz sollte nachweisbar sein. Wir wollen keinen reinen Aktionismus auszeichnen; die Initiativen, Gruppen oder Einzelpersonen aus dem deutschsprachigen Raum sollten ihre Absichten in Worte fassen und Bereitschaft zum Dialog mitbringen. Die Nominierten sollten bereit sein, den Preis persönlich in Berlin entgegenzunehmen.

Bitte haben Sie Verständnis, dass nur vollständig Bewerbungen berücksichtigt werden können. 

Im Laufe des Sommers 2024 ermittelt eine unabhängige Jury aus allen eingesandten Beiträgen den oder die Preisträger*in. Sie erhalten per Email eine Benachrichtigung.

Wir freuen uns über Ihre Bewerbung ausschliesslich über dieses Formular. Bitte füllen Sie es, wenn möglich digital, aus und senden Sie es an unsere E-Mail-Adresse: voice@stiftung-kommunikationsaufbau.de Unter dieser Adresse stehen wir Ihnen gerne auch für Rückfragen zur Verfügung.

Der Einsendeschluss für die Bewerbung ist der 21. Juni 2024. 


Bewerbungsformular

Downloads

Wir freuen uns über Ihre Bewerbung oder Ihren Vorschlag über dieses Formular.

Die Jury

Die Jury für den VOICE Albert O. Hirschman Preis für Einmischung, Widerspruch und Erneuerung demokratischer Kultur besteht aus: 

Teresa Bücker (geboren 1984) ist Journalistin, Autorin und Bloggerin. Sie schreibt aus einer feministischen Perspektive zu gesellschaftspolitischen Themen der Gegenwart. Seit 2019 verfasst sie die Kolumne „Freie Radikale“ für das Süddeutsche Zeitung Magazin und ist Mitglied der „Feministischen Presserunde“, einem monatlichen Online-Format über aktuelle politische Themen. 2022 erschien ihr erstes Sachbuch „Alle_Zeit – eine Frage von Macht und Freiheit“ im Ullstein-Verlag. Darin beschreibt die Autorin eine neue Zeitpolitik, die mehr Gerechtigkeit im Zugang zu Arbeit und politischer Teilhabe schafft. „Alle_Zeit“ hat den NDR-Sachbuchpreis 2023 gewonnen und war zudem für den Deutschen Sachbuchpreis 2023 nominiert

Prof. Dr. Anette Eva Fasang (geboren 1980) ist Geisteswissenschaftlerin und Professorin für Mikrosoziologie Nach ihrem Studium der Soziologie an der LMU München wurde sie Doktorandin an der Jacobs University in Bremen. Noch während des Studiums engagierte sich Fasang am Center for Research on Inequalities and the Life Course (CIQLE) an der Yale University in New Haven, Parallel dazu war sie 2010 bis 2011 als Gastwissenschaftlerin am Institute for Social and Economic Research and Policy (ISERP) der Columbia University in New York City tätig. Seit 2011 lehrt sie an der Humboldt-Universität zu Berlin, 2023 wurde sie zur Direktorin des Instituts für Sozialwissenschaften ernannt. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Lebensverlaufsforschung, Familienforschung, Altern und Ruhestand, Demografie, Sozialstruktur und Quantitative Sozialforschung.

Gianni Jovanovic (geboren 1978) ist Unternehmer, Aktivist, Performer und Autor. Als Sohn einer Roma-Familie machte er früh Erfahrungen mit Rassismus und Diskriminierung. Mit 14 Jahren verheirateten ihn seine Eltern, mit 16 und mit 17 wurde er Vater. Anfang 20 outete sich Gianni Jovanovic als homosexuell und trennte sich von seiner Ehefrau. Inzwischen ist er zweifacher Großvater und seit 15 Jahren glücklich mit seinem Ehemann zusammen. Über seine Erfahrungen schrieb er in seinem Buch: Ich, ein Kind der kleinen Mehrheit. Blumenbar, Berlin 2022. Gianni Jovanovic engagiert sich intensiv für die Rechte von Roma & Sinti. Mit diversen Projekten und Initiativen macht er sich auch für Menschen der LGBTIQ-Community stark, aktuell unter anderem in seiner Rolle als Co-Host der Fernsehshow Drag Race Germany.

Katharina Warda (geboren 1985) wuchs in Wernigerode auf. 2014 erwarb sie den Magisterabschluss in Soziologie, Germanistische
Literaturwissenschaft und Interkulturelle Wirtschaftskommunikation in
Jena. Im Rahmen ihrer Dissertation arbeitete sie wissenschaftlich in Berlin und Princeton (USA). 2021 wurde sie Beiratsmitglied von „Kein Schlussstrich!“, einem bundesweiten Theaterprojekt zum NSU-Komplex. Das Projekt
„Dunkeldeutschland“ über ihre Rassismus Erfahrungen in der DDR machte sie in ganz Deutschland bekannt. Als Soziologin, Filmmacherin und freie Autorin arbeite sie zu den Themen Ostdeutschland, Rassismus, Klassismus und Punk. Sie ist Vorsitzende der Jury.

 

Foto: Paula Winkler
Teresa Bücker
Foto: Martin Funck
Prof. Dr. Anette Eva Fasang
Foto: Phil Vette
Gianni Jovanovic
Foto: Alena Schmick
Katharina Warda

Vita Albert O. Hirschman

Was bringt uns zum Handeln? Was bewegt Menschen dazu, nicht nur private Interessen zu verfolgen, sondern sich für öffentliche Angelegenheiten zu engagieren? Warum stürzen sich Menschen in kollektive Aktionen, widmen sich leidenschaftlich politischer Partizipation, nur um kurze Zeit später wieder hinter den eignen vier Wände zu verschwinden? Gibt es auch beim Engagement Konjunkturzyklen? Die Fragen nach sozialem Wandel beschäftigten Albert O. Hirschman (1915-2012) ein ganzes Leben lang. Kaum volljährig, musste er aus Berlin fliehen. Sein Studium wurde immer wieder unterbrochen durch aktive Beteiligung am antifaschistischen Kampf. In drei verschiedenen Armeen kämpfe er gegen den NS-Faschismus, zuletzt als Fluchthelfer in Marseille. Zusammen mit Varian Fry gelang es ihm, berühmte Persönlichkeiten wie Hannah Arendt, Max Ernst, Lion Feuchtwanger, Heinrich Mann u.v.a. in Sicherheit zu bringen. Nach dem Krieg arbeitete er als Ökonom für den Marshall-Plan und die Weltbank. Schon bald zog es ihn nach Lateinamerika, wo er als Berater für die kolumbianische Regierung tätig war. Er widmete sich nicht nur den Fragen der Entwicklung der Ökonomie, sondern auch der Demokratie. Wie gelingen Reformen? Mit welchen Tricks werden Reformen verhindert? Er unterrichtete an den besten Universitäten der USA, zuletzt am Institute for Advanced Studies in Princeton. Heute ist der angesehenste Preis für Sozialwissenschaften nach ihm benannt, er selbst war für den Nobelpreis im Gespräch. Dabei legte er nie Wert darauf, eine Schule zu bilden. Stattdessen hat er versucht, die ökonomische Theorie auf die Höhe des Alltagsverstandes zu bringen. Die dominanten Lehren hat er mit Witz und Ironie bekämpft, besonders die sich ausbreitenden Wahn des sog. Neoliberalismus, der alle Bereiche des Lebens zu „ökonomisieren“ versucht. Seine Perspektive war exakt spiegelverkehrt: Wie schafft man es, eine Wahl nicht nur als Konsument*in zu fällen, sondern als Akt einer bewussten politischen Entscheidung? In seinem bekanntesten Werk entwickelt er dafür die Begriffe EXIT, VOICE und LOYALTY. Während die Option EXIT die im Marktgeschehen gebräuchlichste Verhaltensweise der „Abwendung“ beschreibt (unzufriedene Kund*innen kaufen das Produkt der Konkurrenz oder wechseln den Anbieter), besagt VOICE, dass man Widerspruch anmeldet, Einspruch erhebt, seine „Stimme“ (im weitesten Sinne) erhebt. Loyalität dagegen ist eine schwankende Eigenschaft: Einer Firma, Organisation oder Partei mag man eine schwache Performance eine Weile lang nachsehen, aber irgendwann stellt sich doch die Frage: Abwanderung oder Widerspruch? Der VOICE Albert O. Hirschman Preis für Widerspruch, Einmischung und Erneuerung demokratischer Kultur unterstützt die zweite Option. Wir suchen Menschen, die sich entschlossen haben, ihre Stimme zu erheben – sei es durch Worte, Bilder oder Gesten; Menschen, die bereit sind, sich einzumischen in Dinge, die uns alle angehen; Menschen, die durch ihre Intervention helfen, die demokratische Kultur zu erneuern. Wir teilen die Überzeugung, dass Demokratie kein Zustand ist, sondern ein Prozess, eine Tätigkeit. Wird Demokratie nicht regelmäßig erneuert durch das Engagement möglichst vieler möglichst verschiedener Menschen, stirbt sie ab und wird zur leichten Beute für autoritäre Populist*innen. Statt Menschen zu ermutigen, selbst aktiv zu werden, entmündigen sie die eignen Anhänger*innen und verteufeln ihre Gegner*innen. Hirschman dagegen war erfüllt von einem „bias for hope“ – einer „Vorliebe“ oder „Hang“ für Hoffnung. Der nach ihm benannte Preis ist jenen gewidmet, deren Tun diese positive Parteilichkeit verstärkt durch Widerspruch und Einmischung und damit zu einer Erneuerung führt der demokratischen Kultur in diesem Land.